"Werft den Schiri vom Platz"

Befragt man die Fans eines Vereins nach der Leistung des Schiedsrichter, regen diese sich fürchterlich auf: ständig entscheidet er zugunsten des Gegners. Doch diese Entrüstung ist meist fehl am Platz.


Australische Forscher der Psychologischen Fakultät der University of Queensland und des Queensland Brain Institute haben entdeckt, dass Fans Aktionen ihrer Mannschaft nicht nur anders bewerten, sondern auch tatsächlich anders wahrnehmen, als die Aktionen der gegnerischen Mannschaft.

Bei einem Experiment wurde die Gruppe der Probanden willkürlich in ein rotes und ein blaues Team aufgeteilt. Die einzelnen Teilnehmer sollten in einer Wettbewerbssituation nun die Schnelligkeit ihres eigenen Teams und des gegnerischen Teams bewerten. Alle Teilnehmer waren der Meinung, dass die Mitglieder ihres eigenen Teams ein wenig schneller waren als die des anderen, auch wenn es sich tatsächlich um identische Bewegungen handelte.

Um die Aktivität des Gehirns eines jeden Teilnehmers während des Experiments zu messen, wandten die Forscher die funktionelle Magnetresonanztomografie an. Das Gehirn der Testpersonen reagierte beim Anschauen ihres eigenen Teams anders, als wenn sich das gegnerische Team im Blick befand. Somit war klar, dass Fans die Aktionen ihrer Mannschaft nicht nur anders bewerten, sondern tatsächlich anders wahrnehmen als die Spielzüge des gegnerischen Teams. Das Gehirn der Probanden, die sich stark mit ihrem Team identifizierten, reagierte auf die Aktionen von Teamkollegen anders als auf die Aktionen anderer Testteilnehmer.

Die Forschungsergebnisse reichen über den Rasen des Fußballplatzes hinaus. Diskriminierung aufgrund von Rasse, sexueller Neigung, etc. könnte vielleicht so erklärt werden. Die Studie lässt somit darauf schließen, dass Handlungen von Personen, die einer anderen Gruppe angehören als man selbst, aus einem anderen Blickwinkel aus gesehen werden – und das, was man sieht, das glaubt man.


Quelle: Psychologie heute

J.F.

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