Wird Elfmeterschießen im Kopf gewonnen?

Arjen Robben ist wohl momentan das bekannteste Beispiel. Doch was passiert während des Elfmeterschießens im Kopf?

Nach 90 Minuten keine Entscheidung. Nach der Verlängerung immer noch kein Ergebnis. Das heißt, in den meisten Fällen kommt es jetzt zum ungeliebten Elfmeterschießen. Wer jetzt Glück hat gewinnt und wer Pech hat verliert? Oder stecken mehr Faktoren hinter

Foto: imago

Ob das Elfmeterschießen für eine Mannschaft positiv oder negativ ausgeht, ist wahrscheinlich nicht nur reine Glückssache. Psychische Faktoren scheinen dabei ebenfalls eine entscheidende Rolle zu spielen. Wenn die Mannschaft beim letzten Mal das Elfmeterschießen gewonnen hat, ist die Chance größer das nächste Mal wieder zu gewinnen. Über Sieg oder Niederlage wird also im Kopf entschieden. So lautet zumindest die These des Forschers Geir Jordet von der Norwegian School of Sport Sciences in Oslo. Er geht mit seinem Team der Frage nach, inwieweit die Erfahrung vom vergangenen Elfmeterschießen einen Spieler beeinflussen kann. Dazu haben die Wissenschaftler alle Videoaufzeichnungen seit 1976 vom Elfmeterschießen bei Europa- und Weltmeisterschaften ausgewertet.  Die Analyse ergab, dass ein Spieler der im vorherigen Spiel getroffen und die Mannschaft gewonnen hat, zu 83 Prozent auch im nächsten Spiel den Ball im Tor versenken wird. Dagegen treffen nur 72 Prozent der Spieler, die im letzten Spiel das Elfmeterschießen verloren haben. Wenn es zu einer ganzen Serie von Siegen oder Niederlagen kommt, ist das Ergebnis der Analyse sogar noch klarer erkennbar. Bei einer Siegesserie beträgt die Trefferwahrscheinlichkeit fast 90 Prozent, während sich die dauernden Verlierer scheinbar nur noch 57 Prozent Treffsicherheit erhoffen können.

Dabei spielt natürlich auch die psychische Belastung, der die Spieler ausgesetzt sind, eine Rolle. Dies hat das Team um Geir Jordet bei der Analyse der Videos ebenfalls beobachten können. Viele der Spieler zeigen systematisches Vermeidungsverhalten, das auf den großen psychischen Druck zurückzuführen ist. So schießen ängstliche Spieler den Ball schneller weg, damit sie sich der belastenden Situation entziehen können. Beim Einnehmen der Anlaufposition drehen diese Spieler häufig dem gegnerischen Torwart ihren Rücken zu und schauen ihn auch während dem Schuss nicht an. Diese Anzeichen für  erhöhten psychischen Stress lassen sich vor allem bei den Spielern beobachten, die sich im Spiel davor geschlagen geben mussten. Falls es während der Europameisterschaft also zu einem Elfmeterschießen kommt, ist es wahrscheinlich besser die Bayern-Spieler lieber nicht antreten zu lassen.

 

Quelle: Spektrum.de

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